Religion in Afrika

Article on other languages:

del.icio.us del.icio.us
Digg Digg
Furl Furl
Reddit Reddit
Rojo Rojo
Add to OnlyWire

Religion in Afrika ist ein wesentlicher Bestandteil des vielfältigen kulturellen Lebens auf dem Kontinent. Religion in Afrika umfasst beinahe alle Bereiche des Lebens und spielt für die Menschen eine zentrale Rolle. Dem Christentum und dem Islam gehört die überwiegende Mehrheit der Afrikaner an, wobei der Islam eher in den nördlichen Ländern des Kontinents, in Westafrika und an den Küsten Ostafrikas dominiert, während im Zentrum des Kontinents und in den südlicheren Ländern eher das Christentum vorherrscht. Wegen der Unsicherheit der vorliegenden statistischen Daten ist es unklar, welche der beiden Religionen in Afrika aktuell mehr Anhänger hat. Neben diesen beiden Religionen hat sich in Afrika eine Vielzahl von traditionellen Religionen in den unterschiedlichsten Formen gehalten. Die traditionellen Religionen haben sich mit dem Christentum und dem Islam zudem zu Mischformen, dem sog. Synkretismus verbunden. Einige Gemeinschaften sind dem Judentum zuzuordnen. Viele afrikanische Religionen weisen bestimmte Gemeinsamkeiten auf. Dennoch gibt es keinen Universalaspekt, der allen afrikanischen Religionen gemein ist.

Inhaltsverzeichnis

Christentum

Die Kirche Igzi’itne Maryam S’iyon Yeityop'iya Ortodoks Baytekristiyan beherbergt, nach Überzeugung der Tewahedo-Kirche in Äthiopien, die Bundeslade

Hauptartikel: Christentum in Afrika

Das Christentum ist die historisch letzte Religion, die in Afrika südlich der Sahara Einzug gehalten hat. Die christliche Mission in Afrika hat seit dem Mittelalter, aber besonders während der Kolonialzeit zusammen mit der Evangelisierung amerikanischer Pfingstkirchen im 20. Jahrhundert das Christentum auf dem Kontinent stark verbreitet.

Im gesamten Norden des Kontinents verbreitete sich das Christentum trotz Verfolgungen zur Zeit des Römischen Reiches. Etwa zu der Zeit, als das Christentum in Rom Staatsreligion wurde, erreichte es in Äthiopien ebenfalls den Status einer offiziellen Religion. Mit dem Siegeszug des Islam in Nordafrika im 7. Jahrhundert endete vorläufig die weitere Ausbreitung der christlichen Religion in Afrika. Von den ursprünglich christianisierten Gebieten verblieben nur Ägypten, mit der Koptischen Kirche, die drei nubischen Reiche im heutigen Sudan (bis ins 14./15. Jahrhundert) und Teile des heutigen Äthiopiens.

Erst im fünfzehnten Jahrhundert erreichte das Christentum die Gebiete südlich der Sahara. Von den Portugiesen wurde es über den Seeweg auf den Kontinent gebracht. Gewisse Missionierungserfolge erzielten sie im Umfeld ihrer Handelsstützpunkte, aber auch bei einzelnen afrikanischen Herrschern, z. B. bei Afonso I., Herrscher des Kongoreiches, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Christianisierung seines mächtigen Reiches betrieb. Im 19. Jahrhundert begannen auch protestantische Missionare systematische Bekehrungsarbeit in Afrika. Mit den Christentum veränderte sich das bis dato in Afrika herrschende System und wurde europäischen Maßstäben angepasst. Die Religion wurde auch genutzt um die Kolonialisierung voranzutreiben.

Die Bibel wurde in den letzten 200 Jahren in verschiedene afrikanische Sprachen übersetzt, um die Missionsarbeit zu erleichtern. Ein unbekannt großer Anteil der Christen gehört unabhängigen afrikanischen Kirchen an.

Islam

Moschee im Norden Ghanas; im sudanesischen Baustil

Hauptartikel: Islam in Afrika

Gemeinsam mit dem Christentum gehört der Islam zu den verbreitetsten Religionen auf dem Kontinent. Er gelangte schon bald nach dem Tod des Religionsgründers und Propheten Mohammed nach Afrika und breitete sich vor allem im Norden des Kontinents aus. Auch in einem schmalen Band an der Ostküste entlang fand diese Religion ihre Anhänger. Der Islam war bereits im achten Jahrhundert in einigen Siedlungen an der ostafrikanischen Küste angekommen, zusammen mit arabischen Kaufleuten, die auf dem Seeweg Handel trieben.

Über die Handelsrouten verbreitete sich der Islam auch in Wüstengebieten und stetig weiter nach Süden. Etwa um 1880 war der Islam beherrschende Religion im nördlichen Drittel des Kontinents. Inzwischen ist auch der Großteil Westafrikas überwiegend muslimisch.

Da der Koran nur in arabischer Sprache vorkam, waren moslemische Missionare als Vermittler zur Stelle, später wurden Koranschulen errichtet. Auch die Kolonialmächte, insbesondere die Briten überließen anfangs den Islamlehrern die Erziehung, ohne sich an den religiösen Inhalten zu stören. Während der Zeit der europäischen Kolonialmächte wurde der Islam aus dem Norden Afrikas nicht mehr verdrängt.

Afrikanische Religion

Hauptartikel: Afrikanische Religionen

Wahrsager im nördlichen Kamerun

Neben den beiden Hauptreligionen Afrikas, dem Christentum und dem Islam, haben sich bis heute in großer Vielfalt Strömungen und Praktiken der traditionellen oder auch afrikanischen Religionen erhalten. Die traditionellen Religionen stellen die drittgrößte Gruppe der Religionen in Afrika. Sie kommen auch als Mischform, dem so genannten Synkretismus mit den beiden anderen großen Religionsgruppen vor.

Die traditionellen Religionen haben in der Regel den Glauben an ein Höheres Wesen und mehrere geringere Gottheiten gemeinsam. Der oberste Gott wird nicht direkt angebetet, da er als zu heilig gilt, um sich die Wünsche und Gebete der Menschen anzuhören. Daher nutzen den Menschen die niederen Götter auch als Mittler zum höchste Gott. Zuweilen ist diesen Göttern ein Totem eigen. Tiere werden als irdische Repräsentanten bestimmter Götter verehrt. Jeder untergebene Gott ist für einen bestimmten Bereich im Leben des Gläubigen zuständig und übt dort seine Macht aus. Obgleich ein Gott über die untergebenen Götter oder Halbgötter herrscht, existiert dieser oberste Gott in einer relativen Distanziertheit zum alltäglichen Leben. Der Animismus nimmt die Natur als vom Geist erfüllt wahr. Tieropfer sind weit verbreitet, um sich des Schutzes und der Gnade der Gottheit zu versichern. Sie sollen auch die Geister und Mächte der Natur zufriedenstellen bzw. beschwichtigen. Der traditionelle Glaube umfasst häufig Riten zur Einführung eines Kindes in die Gemeinschaft, den Übergang von der Kindheit in die Rolle eines Erwachsenen während so genannter Initiationsriten und den Übergang eines Menschen in das Reich der Ahnen nach dem Tod. In den traditionellen Religionen gelten Orte, Dinge oder Lebewesen als heilig. Der Respekt vor den Ahnen spiegelt sich häufig in einem Ahnenkult wider.

Heilkräfte von Menschen, der Glaube an gute und böse Geister sowie an Magie und Zauberkraft sind ebenfalls Bestandteil der traditionellen Religionen. Auch der Fetisch gilt nicht selten für die Gläubigen als Wohnstätte eines niederen Gottes und damit als einem Hilfsmittel ihrer Religion.

Siehe auch: Afrikanische Kosmogonie
Siehe auch: Animismus

Synkretismus

Populäres Bild der synkretistischen Gottheit Mami Wata

Synkretismus, also die Vermischung von Religionen kommt in Afrika zwischen dem Christentum und den traditionellen Religionen sowie dem Islam und den traditionellen Religionen vor.

Die Lord's Resistance Army von Acholiland in Norduganda etwa vereinigt die römisch-katholische Praxis des Rosenkranzes und der Eucharistie mit der islamischen Gebetsrichtung nach Mekka. Zusätzlich behielt sie den einheimischen Geisterglauben an die persönlichen Geister jogi bei.

Zu den auf afrikanischen Religionen basierenden synkretistischen Religionen zählen Mami Wata, Nkabah oder die sogenannten Aladura-Kirchen, wie etwa die Cherubim and Seraphim Society. Häufig ist es umstritten, ob eine bestimmte dieser Kirchen als Christlich oder als synkretistisch anzusehen ist (z.B. Kimbanguistenkirche). Die in Amerika vorkommenden afrikanischen Religionen wie Santeria, Candomble, Umbanda, Macumba sind mit der Sklavenverschleppung aus Afrika gekommen und stammen vor allen aus den traditionellen Religionen Westafrikas und des Kongo. Diese beiden Regionen dienten den Sklavenhändlern als Bezugsgebiete für den Sklavenhandel.



Judentum

Das jüdische Dorf Balankab in Äthiopien, von H. A. Stern, Wanderings Among the Falashas in Abyssinia London, 1862

Hauptartikel: Judentum in Afrika

Auch das Judentum übte über Jahrtausende einen bemerkenswerten Einfluss auf den afrikanischen Kontinent aus. Einige Gemeinschaften afrikanischer Juden lebten bereits sehr früh über den Kontinent zerstreut, wie die Falascha Äthiopiens und die Lemba Südafrikas. Auch im Mittelalter, vor allem im vierzehnten Jahrhundert, gab es jüdische Zuwanderungen nach Afrika, insbesondere als Folge der spanischen Inquisition. Moderne Gemeinden haben sich beispielsweise mit den Abayudaya in Uganda gegründet.


Siehe auch

Literatur

  • Michael Bröning & Holger Weiss (Hg.), Politischer Islam in Westafrika Eine Bestandsaufnahme. Lit-Verlag, Afrikanische Studien Bd. 30, 2006.
  • Ernst Dammann: Die Religionen Afrikas., Stuttgart 1963 (Die Religionen der Menschheit, Band 6)
  • J. S. Mbiti: African Religions and Philosophy. 1969
  • T. Ranger, I. Kimambo: The Historical Study of the African Religion. 1972
  • James Fernandez: An Ethnography of the Religious Imagination in Africa. Princeton University Press, 1982
  • Reuter, Astrid: Voodoo und andere afroamerikanische Religionen. München 2003
  • A. Gerhards - H. Brakmann (Hrsg.): Die koptische Kirche. Kohlhammer, Stuttgart 1994. ISBN 3-17-012343-2.
  • Heinrich Loth: Vom Schlangenkult zur Christuskirche. Religion und Messianismus in Afrika. Fischer, Frankfurt/Main 1987 ISBN 3596243726

Quellen


Weblinks

This article is from Wikipedia. All text is available under the terms of the GNU Free Documentation License.