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Der Mjölnir oder Donarshammer wird von vielen Ásatrúar als Symbol ihres Glaubens getragen.
Mit Ásatrú bezeichnet man heute verschiedene Ausprägungen des nordisch-germanischen Neuheidentums.
BezeichnungenÁsatrúÁsatrú ist ein altnordischer/isländischer Neologismus bestehend aus „ása“, dem Genitiv von altnordisch „áss“ (Ase = Gottheit) und „trú“ (Treue bzw. Glaube). So bezeichnet die Ásatrú („Asentreue“) die Treue zu, den Glauben an oder das Vertrauen in die heidnischen germanischen Götter, die Asen und Wanen. Das Wort an sich ist wiederum eine Lehnübersetzung des dänischen Begriffs „asetro“, welcher 1870 von Edvard Grieg in seiner unvollendeten Oper Olaf Tryggvason als Bezeichnung für den heidnischen Glauben der Nordländer verwendet wurde. Die isländische Schreibweise wurde erstmals 1945 von Ólafur Briem in seinem Werk „Heiðinn siður á Íslandi“ („Heidnische Sitten auf Island“) verwendet. In der Prosa-Edda allerdings kommt die Bezeichnung (getrennt geschrieben) auch schon vor. Forn SiðrEine weitere Bezeichnung für den alten heidnischen Glauben, die oftmals synonym für Ásatrú benutzt wird, ist „Forn Siðr“. Auch Forn Siðr ist ein altnordisch-isländischer Begriff, der so viel wie „alte Sitte“ oder wörtlich „firne Sitte“ bedeutet. Er setzt sich zusammen aus an. „forn“ (dt. „alt“, „firn“ („zeitlich fern“); vgl. gotisch fairns, aeng. fyrn, ahd. firni) und an. „siðr“ (dt. „Sitte“; vgl. gotisch sidus, aeng. sidu, ahd. situ). So wie der Begriff „Firnschnee“ Schnee des letzten Jahres bezeichnet, so pflegen die Anhänger der alten oder firnen Sitte – Forn Siðr – die Sitten und Traditionen ihrer Vorfahren. Der Glaube an bzw. die Treue zu den germanischen Göttern wird hier als Teil der alten Sitten betrachtet. Zu den alten Sitten zählt man beispielsweise das Anbrennen von Feuerrädern zum Julfest (ungefähr zur Zeit der christlichen Weihnacht), das Perchtenlaufen, das Anzünden von Osterfeuern und das Feiern des Mittsommerfestes. GlaubensinhalteGottheiten
Ásatrú ist eine polytheistische Religion. Die Hauptgottheiten der Ásatrúar gehören im allgemeinen zu den beiden Geschlechtern der Asen und Wanen. Entsprechend der germanischen Mythologie werden jedoch am Ende des sogenannten Wanenkrieges alle uns namentlich bekannten Wanengötter in die Reihen der Asen aufgenommen. So ist der Glaube an die Wanen, die Vanatrú, als integrierter Bestandteil der Ásatrú zu sehen und nicht als separater Glaube zu verstehen. Bedeutsame Gottheiten sind:
Neben den Hauptgottheiten werden etliche örtliche Gottheiten wie Jecha, Ostara, Tanfana, Hludana oder Nehalennia gewürdigt. Die Anhänger des Ásatrú verstehen sich als die Kinder der Götter, meist Wodans, ebenso wie sich die Christen als Kinder Gottes verstehen. NaturverehrungWie auch in anderen neuheidnischen Strömungen üblich, dient Anhängern der Ásatrú oft der religionswissenschaftlich nicht abgesicherte Begriff der Naturreligion zur Selbstbeschreibung. Darunter wird zum einen eine „natürlich“ gewachsene Religion – im Unterschied zu Offenbarungsreligionen – verstanden, zum anderen auf die zentrale Rolle der Natur als Quelle der religiös-spirituellen Erfahrung verwiesen. Die Natur wird von einem Teil der Ásatrú-Anhänger als beseelt empfunden (Animismus) und damit selbst zum Gegenstand kultischer Verehrung. Religiöse PraxisBlótAls Bloz oder Blót (ahd. bluoz, an. blót, aeng. blôt) wird das germanische Opferfest bezeichnet. Etymologisch leitet sich das Wort von dem indogermanischen *bhlâd (“geschwollen“) ab. Eine Gottheit zu blozen oder bloten (ahd. blôzan, an. blóta, aeng. blôtan) bedeutet demnach soviel wie „eine Gottheit stärken“. (Eine unmittelbare Verwandtschaft zu „Blut“, wie immer wieder behauptet wird, besteht nach derzeitigen sprachwissenschaftlichen Kenntnissen nicht.) Das dargebrachte Opfer (ahd. bluostar), mit dem die Ásatrúar ihre Beziehungen zu den jeweiligen Gottheiten intensivieren wollen bzw. mit dem sie die entsprechenden Gottheiten stärken wollen, steht in einer bestimmten Beziehung zu den jeweiligen Göttern und wird u. a. in Form von Nahrungsmitteln, Kunstgegenständen und Gebildegebäck dargebracht. Häuser oder Tempel, in denen die Götter geblozt wurden, nannte man im Althochdeutschen „plôzhûs“ („Blozhaus“), wobei heute, in Ermangelung von bestehenden Tempeln, oftmals im Freien geblozt wird. Volksetymologisch leicht abgewandelt findet man in dem Namen „Blocksberg“ (Blozberg) das Bloz wieder. Sumbel
Das Sumbel (an. sumbl, aeng. symbel, as. sumbal) ist vereinfacht gesprochen ein ritueller Umtrunk bzw. ein rituelles Trinkgelage. Grob umrissen läuft ein Sumbel wie folgt ab: Es wird im allgemeinem von einem Sumbelgeber (as. symbelgifa) eröffnet, geleitet und beendet. In der Mitte der Teilnehmer befindet sich ein Kessel, welcher mit Met oder Äl gefüllt ist. Nach der Weihe des Kessels wird ein Trinkhorn mit dem Trank aus diesem Kessel gefüllt. Anschließend kreist dieses Trinkhorn unter den Teilnehmern des Sumbels, wobei es von einer Schankmaid weitergereicht und bei Bedarf aufgefüllt wird. In der ersten Runde erfolgt durch das Äußern von Trinksprüchen ein Minnetrinken auf die Götter. In der zweiten Runde gedenkt man der verstorbenen Angehörigen. Während der dritten und den folgenden Runden werden von den Teilnehmern Eide geschworen, Gelübde abgelegt und Lieder oder Gedichte zum Besten gegeben. Gebet
Das Gebet ist, wie der Name sagt, eine Bitte, die an die Götter gerichtet ist. Gebetet wird im allgemeinen in aufrecht stehender Haltung mit erhobenen, zu den Seiten ausgebreiteten Armen. Die allgemeine Gebetsrichtung ist Norden, falls man sich nicht unmittelbar an die jeweilige Gottheit wendet. Galster
Galster (ahd. galstar, aeng. gealdor, an. galdr) ist eine Art des rituellen Gesanges oder Dichtens unter Verwendung des Stabreimes bei stark parallelistischem Versaufbau. Seiðr
Seiðr ist der Oberbegriff für magische Praktiken, die aber weniger verbreitet sind als beispielsweise Blót und Sumbel. AnsleichDer Begriff „Ansleich“ (ahd. Ansleicus, as. Ôslâc) setzt sich aus den Wörtern „Ans“ (ahd. ans: „Gott“) und „Leich“ (ahd. leih, mhd. leichen: „hüpfen, spielen“) zusammen. Es handelt sich hierbei um eine Aufführung oder ein Spiel im Sinne eines Hymnus auf und für die Götter. So werden entsprechend dem Anlass bestimmte mythische Göttergeschichten aufgeführt. Besonders beliebt ist z. B. im Frühjahr die Aufführung der „Heimholung des Hammers“ durch den Gott Donar, wie es die Þrymskviða beschreibt. Die EddaDie Edda, oder genauer gesagt die beiden Bücher der Lieder-Edda und der Prosa-Edda, sind für die meisten Ásatrúar die wichtigsten Quellen im Bezug auf die germanische Mythologie. Die Lieder-Edda erzählt in stabreimenden Liedern von Göttern und Helden. Die Helden werden hierbei oftmals als Hypostase der Götter verstanden. Die Snorra-Edda ist eigentlich ein Lehrbuch für Skalden, beschreibt aber insbesondere im Abschnitt der Gylfaginning („König Gylfes Erscheinung“) ausführlich die Begebenheiten der germanischen Götterwelt. Unter den Eddaliedern nehmen „Die Lieder des Hohen“ (an. Hávamál) eine besondere Stellung ein. Während die meisten Eddalieder rein mythologische Themen wiedergeben, enthalten „Die Lieder des Hohen“ („Der Hohe“ ist eine Bezeichnung für den Gott Wodan) neben mythologischen Inhalten vor allem Spruchweisheiten, die vielfach der ethischen Orientierung dienen. GeschichteIsland1972 wurde die Ásatrú in Island als offizielle Religion anerkannt. Begründer der isländischen Bewegung „Ásatrúarfélagið“ war der Dichter Sveinbjörn Beinteinsson. [1] Seiner Ansicht nach war Ásatrú, die auf Island immer noch am tiefsten kulturell verwurzelte Religion, die der Landesnatur am besten entsprach. Beinteinssons Bestrebungen Ásatrú als eine dem Christentum gleichberechtigte Religion auf Island anerkennen zu lassen sind zum Teil auch als eine Reaktion auf die Anfang der 70er Jahre wachsenden Mitgliederzahl der "Kinder Jesu" (einer christlichen Sekte) zu verstehen. [2] SchwedenZu Beginn der 1990er Jahre wurde durch den Zusammenschluss der Wikingergruppe „Tor Hjälpe“, der Seið-Gruppe Yggdrasill und anderer Gruppierungen die heutzutage größte schwedische Ásatrú-Verbindung, Sveriges Asatrosamfund, gegründet. Nahezu parallel hierzu gründete sich die Samfäldigheten för Nordisk Sed als Dachverein für fünf Lokalgruppen (sog. Gäll), die sich aus hier nicht weiter aufgeführten Gründen nicht im Sveriges Asatrosamfund organisieren wollten. Im Jahre 1999 begann unter Keeron Ögren eine Umorganisation im Sinne einer verstärkten Zentralisierung des anfänglichen Dachvereins entsprechend der neuen gesetzlichen Richtlinien der schwedischen Regierung für Glaubensgemeinschaften. Infolge dieser Umstrukturierungen trennte sich das sogenannte Torsåker Gäll aus der Samfäldigheten för Nordisk Sed und löste sich später ganz auf.[3] NorwegenIn Norwegen gründete sich Anfang der 1980er Jahre auf Initiative von Egil Haraldson Stenseth die Åsatrosamfundet Bifrost, welche sich allerdings bis zum Ende der 1980er Jahre wieder auflöste. 1993 gelang es Egil Haraldson Stenseth in Zusammenarbeit mit Katrine Åstorp, die auf Island den damaligen Allsherjagoden und Stifter der Ásatrúarfélagið, Sveinbjörn Beinteinsson, kennengelernt hatte, die Åsatrosamfundet Bifrost wiederzubeleben. 1996 wurde die Åsatrosamfundet Bifrost offiziell von der norwegischen Regierung als Glaubensgemeinschaft anerkannt. 1997 wurde der von Island nach Norwegen umgezogene Jón Júlíus Fillippusson Mitglied in der Åsatrosamfundet Bifrost. Aufgrund interner Divergenzen verließ er sie jedoch nach nur einem Jahr und gründete mit fünf weiteren ehemaligen Bifrost-Mitgliedern die Foreningen Forn Sed. 1999 wurde die Foreningen Forn Sed gleichfalls von der norwegischen Regierung als Glaubensgemeinschaft offiziell anerkannt.[3] DänemarkAuch in Dänemark schlossen sich zunächst 12 Personen insbesondere aus verschiedenen Wikingergruppen im Namen der Ásatrú zusammen, was zur Gründung der Forn Siðr – Asa- og Vanetrosamfundet i Danmark am 15. November 1997 führte. Nach längerem Rechtsstreit wurde Forn Siðr am 6. November 2003 vom dänischen Kirchenministerium offiziell als Glaubensgemeinschaft anerkannt.[4] DeutschlandEin Wiederaufleben des „alten Glaubens“ war in Deutschland schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu beobachten, als mehrere germanisch-heidnische Gemeinschaften entstanden; 1913 schlossen sich auf Initiative des Malers und Dichters Ludwig Fahrenkrog mehrere dieser Gemeinschaften zur Germanischen Glaubens-Gemeinschaft (GGG) zusammen. Die 1924 vorgenommene Vereinsregistrierung der GGG als e.V. wurde 1964 gelöscht. Die 1991 als Verein in Berlin neu eingetragene Germanische Glaubens-Gemeinschaft[5] ist Rechtsnachfolger der Germanischen Glaubens-Gemeinschaft Ludwig Fahrenkrogs.[6] [7] und sieht sich in ungebrochener Tradition mit der früheren Organisation, ohne an ihre völkischen Grundlagen anzuknüpfen.[5] Die Satzung des neugegründeten Vereins bekundet unter § 2: „Die Gemeinschaft ist ein religiöser Verein im Sinne der Verfassung Deutschlands. Sie wurde im Jahre 1907 begründet.“[8] Im März 1995 wurde in Köln der Verein für Germanisches Heidentum e.V. (VfGH e.V.) zunächst als Schwesterorganisation des britischen Odinic Rites unter dem Namen „Odinic Rite Deutschland e.V.“ (ORD) gegründet.[9] Im April 2006 erhielt der Verein auf einstimmigen Mitgliederbeschluss seinen heutigen Namen.[10] Im allgemein heidnisch orientierten Rabenclan e.V.[11] organisierte sich 1997 die seither unabhängige Ásatrú-Gruppe Nornirs Ætt.[12] Die Nornirs Ætt ist überregional organisiert, unterhält aber auch mehrere Untergruppen, die als regionale Thinggemeinschaften „Fylki“ genannt werden. Sie besitzt keine gültige Rechtsform, sondern ist ein basisdemokratischer Zusammenschluss von Freunden.[12] Diese Ásatrú-Organisation ist vor allem für ihre langjährige Aufklärungsarbeit gegen rechtsextreme oder rassistische Einflussnahme auf die Ásatrú-Szene bekannt.[13] Im August des Jahres 2000 gründete sich mit dem Eldaring e.V. ein weiterer Verein mit dem Ziel, Ásatrú zu leben.[12] 2002 erfolgte beim Amtsgericht Trier die Eintragung als eingetragener Verein.[12] Der Eldaring hält gute Beziehungen zum dänischen Forn Siðr – Asa- og Vanetrosamfundet, zur norwegischen Åsatrosamfundet Bifrost sowie zum niederländischen Het Rad und ist heutzutage der wohl mitgliederstärkste Verein dieser Art in Deutschland.[14] StrömungenFolketro/FuntradDie Folketro (folkloristischer Glaube) ist eine Richtung innerhalb der Ásatrú, die ihre Grundlage in erster Linie in dem jeweiligen regionalen Volksbrauchtum sieht. Brauchtumselemente wie Volkstänze und Volkslieder mit (z. T. nur fadenscheinigen) vorchristlich-heidnischen Wurzeln werden aufgegriffen und in einem neuen bzw. alten Kontext betrachtet. Stringent werden von den Vertretern der Folketro Einflüsse aus New Age, Wicca und den Thelemitischen Lehren Aleister Crowleys abgelehnt. Die Folketro wird aufgrund dieser Haltung von ihren Kritikern auch als „Funtrad“, was eine Abkürzung für „Fundamentalistisk Traditionalisme“ ist, bezeichnet.[3] Die Frage des UniversalismusInsbesondere im angloamerikanischen Sprachraum unterscheidet man zwischen universalist- und folkish-Ásatrú. Anhänger des Universalismus sind der Überzeugung, dass das Ausleben des Ásatrú eine Willensentscheidung sei und somit unabhängig von nationaler und ethnischer Zugehörigkeit jede oder jeder diesen Glauben annehmen könne. Anhänger des ethnischen bzw. völkischen Zweiges (engl. „folkish“) hingegen vertreten die Ansicht, dass Ásatrú die ethnische Religion der Germanen ist. Religion ist ihrer Meinung nach eine Frage der Vererbung und des Blutes. Hier bestehen mögliche Anknüpfungspunkte des Rechtsextremismus. Dies wird von vielen Anhängern jedoch zurückgewiesen, da es ihnen fern läge, andere Ethnien zu diskriminieren, die dementsprechend ihre überlieferte Religion ausleben sollten. Einige Gruppen betreiben diesbezüglich auch eigene, als Aufklärung verstandene Projekte, die in der Szene kontrovers diskutiert werden, so z. B. das Ariosophie-Projekt der Nornirs Ætt oder die Schriften des Rabenclans. Die Einteilung in die universalistische oder ethnische/völkische Ausrichtung ist definitorisch problematisch und auch unter den Anhängern der Ásatrú stark umstritten. So wurde z. B. eine dritte Strömung definiert: Das tribalist-Ásatrú, welches sich auf die kulturelle Komponente der germanischen Überlieferung bezieht und sich von ethnischen Merkmalen einerseits und weltweiten Anspruch andererseits abgrenzt. Von vielen Praktizierenden des Ásatrú wird jegliche Unterteilung als nicht anwendbar zurückgewiesen.[15] Literatur
Siehe auchWeblinks
Quellenverzeichnis
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